Die Terror-Unterstützer

Immer wieder wird die Aussage, dass die USA jene Terroristen, welche sie angeblich bekämpfen, selbst mit Waffen und Material versorgen, als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet, um einer Diskussion darüber aus dem Weg zu gehen. Tatsächlich haben aber nicht nur höchste US-Beamte bereits öffentlich zugegeben, dass ihre engsten Verbündeten, Katar und Saudi-Arabien, die schlimmsten der schlimmen Terroristen unterstützt und Syrien mit Waffen überschwemmt haben, sondern es wurde ihnen bereits mehrfach die Lieferung von Waffen, Ausbildung und Material nachgewiesen.

Schon 2015 hatte Tim Anderson in seinem Buch „Dirty War on Syria“ unwidersprochen nachgewiesen, wie die USA Tausende von Kämpfern ausgebildet, bewaffnet und dann zum Kampf gegen die legitime Regierung Syriens losgelassen hatten. Und dass diese dann innerhalb weniger Tage zur Al-Qaida oder direkt zum IS übergelaufen waren. Das hatte zu der lächerlichen Antwort bei einem Hearing geführt, als nach der Anzahl von Kämpfern gefragt wurde, welche unter der Kontrolle der USA stehen würden, und daraufhin eine Zahl genannt wurde, die man an einer Hand abzählen konnte.

Im Jahr 2017 wurde dann klar, dass diese Versorgung der Terroristen immer noch in großem Umfang stattfand, und dass wegen der Art des Transportes wohl viele Regierungen in Europa sehr wohl davon gewusst haben mussten. In einem Artikel von Rubikon (1) tauchte zum ersten Mal der Name der bulgarischen investigativen Journalistin Dilyana Gaytandzhieva auf, welche mit Unterlagen, die sie von Whistleblowern erhalten hatte, beschrieb, wie die Versorgung der Terroristen mit Waffen und Munition funktionierte:

„Mindestens 350 Diplomatenflüge der Silk Way Airlines (einer staatlichen Fluggesellschaft Aserbaidschans) transportierten Waffen während der letzten drei Jahre in Konfliktzonen in der ganzen Welt. Die staatliche Fluggesellschaft flog Dutzende von Tonnen schwerer Waffen und Munition für Terroristen, unter dem Schutzmantel der diplomatischen Immunität“ (1).

Nun, die Journalistin hatte für das Offenlegen der Versorgungswege ihren Job verloren, danach aber umso engagierter mit Hilfe von Whistleblowern über Biowaffenlabors und in diesem Jahr über Waffen von den USA für die Terroristen im Jemen berichtet. In einer dreiteiligen Artikelserie auf der Internetseite „Arms Watch“ berichtet sie mit vielen Details, veröffentlichten Dokumenten und Aussagen von Zeugen darüber, wie Terroristen durch die USA gestärkt werden, damit diese gegen die Huthis, welche die Marionettenregierung von Saudi-Arabien aus dem Land getrieben haben, erfolgreich kämpfen können.

Im ersten Teil der Serie stellt Dilyana Gaytandzhieva fest, dass der US-Präsident Donald Trump zwar den Sieg über den IS in Syrien verkündet hätte, andererseits aber seltsamerweise von der US-Regierung bestellte und bezahlte Waffen in den Händen des IS im Jemen landen. Sie begründete dieser Aussage mit Dokumenten, die sie von Whistleblowern der serbischen staatlichen Waffenhersteller Krusik und Jugoimport SDPR erhalten hatte.

Unter den Dokumenten waren E-Mails, interne Mitteilungen, Verträge, Fotos, Lieferdaten und Packlisten mit Chargennummern der Waffen sowie Informationen über die Käufer dieser Waren. Außerdem Scans von Pässen der Waffenhändler und Regierungsbeamten aus den USA, aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Insgesamt konnten so drei Millionen Stück serbische Waffen — Mörsergranaten und Raketen — identifiziert werden, welche innerhalb der letzten drei Jahre in den Jemen und nach Syrien geliefert worden waren.

Durch die Rückverfolgung von Chargennummern der serbischen Waffen, die sich in den Händen der IS-Terroristen im Jemen befanden, konnte die Journalistin dann zurückverfolgen, dass diese von der US-Regierung bestellt und bezahlt worden waren. Der Grund für die Bewaffnung des IS im Jemen erscheint logisch: Lediglich die Huthis sind erbitterte Gegner des dortigen IS. Zwar führen die USA hin und wieder Drohnenanschläge durch, aber die einzige Macht im Land, welche keine Verbindungen zu den Terroristen unterhält, sind die Huthis und einige ihrer Verbündeten. Indem man also den IS im Jemen bewaffnet, hilft man ihm, gegen die Huthis zu kämpfen, welche ja auch durch Saudi-Arabien mit Hilfe der USA und Großbritannien, aber auch anderer Verbündeter bekämpft werden.

Der Artikel berichtet, dass der IS am 27. Juli 2019 ein Propagandavideo veröffentlicht hatte, mit dem für ihre Aktivitäten im Jemen geworben wurde. Das Video zeigt barbarische Szenen von Verbrechen, einschließlich der Hinrichtung von Gefangenen durch Enthauptung. Fünf Sekunden des Videos, so berichtet armswatch.com, zeigen Waffen beziehungsweise Munition, welche von der US-Regierung bestellt und bezahlt worden waren und sich nun in den Händen der Terroristen befanden. Dilyana Gaytandzhieva beschreibt dann, was sie durch diese kurze Sequenz herausgefunden hatte:

„Die Markierung auf den Mörsergranaten ist klar erkennbar — 82 mm M74 HE KV lot 04/18. Die beiden Buchstaben bedeuten, dass die Mörsergranaten durch die serbische Waffenfabrik Krusik (K steht für Krusik und V für Valjevo, der Stadt, in der die Fabrik ansässig ist) produziert wurde. Die nachfolgenden Ziffern 04/18 bedeuten, dass die Mörsergranaten aus Charge 04, produziert im Jahr 2018 stammen“ (2).

Auf Screenshots im Originalartikel kann man die Angaben selbst nachprüfen.

Die Journalistin erklärt dann, dass sie in der Lage war, die Charge 04/18 zurückzuverfolgen. Den ihr vorliegenden und teilweise im besagten Artikel veröffentlichten Dokumenten zufolge wurden solche 82-Millimeter M74HE Mörsergranaten, die in dem Video des IS im Jemen erscheinen, durch die US-Firma American Company Alliant Techsystems LLC — eine Tochter von ATK Orbital, USA — im Auftrag der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika gekauft.

Der Exporteur, so erklärt sie, war die staatliche serbische Exportgesellschaft Jugoimport SDPR. Und die Packliste, welche diese Produkte enthielt, wurde am 12. Februar 2019 abgezeichnet. Der Auftrag, unter dem die Granaten gekauft wurden, trug die Nummer MP00135498. Der Vertrag war zwischen Jugoimports SDPR und Alliant Techsystems LLC, USA abgeschlossen worden. Insgesamt wurden 10.500 Einheiten von diesen Mörsergranaten gekauft.

Laut dem Vertrag Nr. MP00135498, unterschrieben am 20. Januar 2017, kaufte die US-Firma Alliant Techsystems insgesamt 105.150 82-Millimeter Mörsergranaten „für die Nutzung der US-Regierung“. Der Gesamtpreis des Deals betrug über 8 Millionen Dollar.

Nun wird es interessant: Gaytandzhieva erklärt, dass die Lieferadresse folgende war: LCAAP Receiving 25201 East 78 Highway, Independence MO 64056. Dies sei die Adresse der „Lake City Army Ammunition“-Anlage, eine Einrichtung der Regierung im nordöstlichen Independence, Missouri. Aber die Lieferadresse sei geändert worden in „Afghan National Army Ammodepot 22 Bankers, Pol-e-Charki, Afghanistan, combined Security Transition Command Afghanistan (CSTC-A CJ4)“. Und so war man schon mal sehr viel näher am letztendlichen Ziel. Die Adresse gehört einer Agentur des Verteidigungsministeriums, welche die Lieferungen zum Endverbraucher regelt und für das Munitionsdepot in Kabul koordiniert. Das ist alles durch Kopien der Originaldokumente im Artikel nachvollziehbar.

Interessant in diesem Zusammenhang könnte sein, dass diese Adresse in einer Untersuchung des US-Senats auftaucht, nachdem bekannt geworden war, dass US-Söldner von Blackwater Hunderte von Waffen herausgeschmuggelt hatten, die eigentlich für die afghanische Polizei bestimmt gewesen waren. Aber zurück zu den Mörsergranaten.

Die Lieferung im Umfang von über 50 Millionen Dollar war gemäß dem US-Bundesregister für Aufträge Teil eines Vertrages der US-Regierung und für die US-Armee in Afghanistan bestimmt.

Nun hatte der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages ja schon seine negative Meinung zum Einsatz der Bundeswehr im Rahmen der Militärintervention „Resolute Support“ geäußert. Was hätten die Wissenschaftler wohl gesagt, wenn ihnen folgende Informationen bereits vorgelegen hätten:

„Am 3. April 2018 sandte Jugoimport SDPR (der Exporteur) eine E-Mail an Krusik (den Waffenproduzenten), um die Lieferung für den Flug der Silk Way West Airlines, Flug Nr. 7L9632 am 15. April 2018 mit dem Ziel Belgrad-Kabul-Baku, zu bestätigen. Jugoimport SDPR sandte drei Packlisten, damit Krusik den Transport vorbereiten konnte. Die drei Packlisten waren für die Chargen 04/18, 06/18 und 07/18 (beziehungsweise 10.500 Stück, 2.406 Stück und 2.920 Stück Mörsergranaten 82 mm M74 HE). Alliant Techsystems LLC wird als Warenempfänger angegeben.

Am nächsten Tag (dem 4. April 2018) sandte Jugoimport SDPR eine zweite E-Mail an Krusik, in dem der Hersteller informiert wurde, dass der Plan geändert worden wäre. Die Lieferung, die für den Flug am 15. Mai 2018 geplant worden war, musste für einen Flug am 8. Mai 2018 (Chargen 04/18, 06/18 und 07/18) vorbereitet werden. Die weitere Lieferung, die für den Export mit Flug am 8. Mai 2018 geplant worden war, musste auf den 15. Mai 2018 umgeplant werden (8.500 Stück Mörsergranaten 82 mmm HE Charge 05/18). Warum die Ware ausgetauscht wurde, gab Jugoimport SDPR nicht an.

Am 17. April 2018 sandte Jugoimport SDPR an Krusik den von Alliant Techsystems LLC (ATK) genehmigten Lieferplan. Die Luftfrachtgesellschaft, die für den Transport der Waffen gechartert worden war, Silk Way, benutzte ein spezielles NAG (3) Militär-Rufzeichen. Dieses Rufzeichen wurde von der NATO für die Operation Resolute Support in Afghanistan vergeben (siehe Dokumentverzeichnis weiter unten). Resolute Support ist eine NATO-Ausbildungs-, Beratungs- und Hilfs-Mission in Afghanistan, was bedeutet, dass die Waffen unter dem Schutz dieses Programms geliefert wurden“ (2).

Geliefert also auch unter dem Schutz der Bundeswehr.

Der Artikel erklärt weiter, dass die Mörsergranaten, welche in dem IS-Video auftauchten, am 8. Mai nach Kabul geflogen worden waren. Als „Endverbraucher“ war den Dokumenten zufolge die Armee Afghanistans angegeben worden. Die Chargen 06 und 07 sollten der Polizei Afghanistans ausgeliefert werden.

Insgesamt, so recherchierte und belegte Gaytandzhieva, waren von dem Luftfrachtunternehmen Silk Way im Mai 2018 über 40.000 Mörsergranaten transportiert worden. Dafür war immer die Nationale Polizei Afghanistans als Endempfänger angegeben worden. Alle waren über die oben beschriebenen Wege beschafft worden.

Aber nicht nur der Weg von Mörsergranaten konnte so nachvollzogen werden. Bulgarische Sturmgewehre AR-SF erschienen plötzlich ebenfalls in den Händen von IS-Terroristen im Jemen, im gleichen bereits beschriebenen Video — Screenshots davon zeigte auch der erwähnte Artikel. Diese Gewehre wurden von der bulgarischen Waffenfabrik Arsenal produziert.

Unter den ihr zugänglich gemachten Dokumenten, so berichtet die Journalistin weiter, waren auch Scans der Ausweise Waffenhändlern und Regierungsbeamten der USA. Sie hatten Krusik besucht, um Waffen für das Pentagon-Programm „Ausbildung und Ausrüstung“ zu kaufen. Wie eingangs erwähnt, waren in diesem Programm Tausende von Kämpfern für den Einsatz gegen die syrische Regierung ausgebildet und ausgerüstet worden, die dann sofort, nachdem sie auf den Feind losgelassen worden waren, zu den schlimmsten der Terroristen — den Al-Qaida-Zweigen oder dem IS — überliefen.

In einem zweiten Artikel (4) beschreibt Dilyana Gaytandzhieva, dass die Käufer von serbischen Waffen über vier US-Firmen verfügten, die für die US-Regierung Waffen beschafften, die nicht zu den Standardwaffen der USA gehören und nicht von den US-Streitkräften eingesetzt werden. Es waren dies die Firmen Sierra Four Industries, Orbital ATK, Global Ordnance und UDC.

Die Passkopien, die sie in dem Artikel auch mit wenig geschwärzten Teilen zeigen, beweisen, dass US-Beamte und die privaten, vom US-Staat beauftragten Firmen die Waffen bestellt, kontrolliert und akzeptiert hatten. Die gleichen Namen, so berichtet die Journalistin, werden im Pentagon als Empfänger einer Auszeichnung für ihre Unterstützung des syrischen Trainings- und Ausrüstungsprogramms aufgelistet. Also des Programms, mit dem Militante in Syrien ausgebildet und bewaffnet wurden, bevor sie zu Al-Qaida oder IS „überliefen“.

Wo Waffengeschäfte stattfinden, gibt es oft auch Korruption. Und so berichtet die Autorin des Artikels von seltsamen Vermittlungsgeschäften. So schreibt der britische Waffenhändler Lynn Timckle, Direktor der Imber Enterprises Litmited, am 21. Januar 2016 eine E-Mail mit einer Liste der US-Regierung an den serbischen Waffenproduzenten Krusik. Die Anfrage, so die E-Mail, wäre für „USG Special Operations Command“ und der Endverbraucher das irakische Verteidigungsministerium.

Die Imber Enterprises Limited war dem Bericht zufolge 2011 gegründet worden, um Regierungen und Ministerien weltweit mit Waffen zu beliefern. Die Firma ist Mitglied in der britischen Industrievereinigung der Rüstungsindustrie, ADS.

„Lynn Timckle fordert Krusik auf, ein Angebot für die Lieferung von Mörsergranaten so schnell wie möglich abzugeben. Kursik bietet daraufhin 2.450 Mörsergranaten 60 mm M73 HE, 23.000 Mörsergranaten 82 mm M74 HE und 27.000 Mörsergranaten 120 mm M62P8 HE an“ (4).

Die Journalistin berichtet, dass aber nicht die britische Firma dann als Käuferin auftrat, sondern die US-Firma Sierra Four Industries, wobei die Zahlungen aber nicht von der US-Firma direkt erfolgten, sondern durch eine weitere Firma, deren einzige Aufgabe in der Zahlung der Rechnung bestand. Das war die Charles Kendall & Partners Ltd. in Großbritannien.

Krusik sicherte sich ab und erklärte, dass sie eine Genehmigung vom serbischen Finanzministerium benötigte. Darüber hinaus erklärte die Firma, wie Gaytandzhieva aufgrund der auch in dem Artikel gezeigten E-Mails aufzeigt, dass sie Bedenken wegen dem Endverbleib der Waffen habe. Der Entwurf des Endverbraucher-Zertifikats erklärt, dass die Waffen an die Mihail Kogalniceanu Luftwaffenbasis in Rumänien geliefert werden soll. Weshalb Krusik erwartete, dass die Waffen für Rumänien bestimmt waren, jedoch fehlte auf dem Papier der Zweck, für den die Waffen benutzt werden sollten.

Diese Bedenken wurden jedoch durch den Auftraggeber nicht aufgegriffen. Der Artikel zeigt Dokumente, die nachweisen, dass der Präsident der Sierra Four Industries, Rober Grimmer, E-Mails sandte, die bestätigten, dass das Geld durch den britischen Finanzpartner Charles Kendall & Partners Ltd. überwiesen werde. Es wurde keine Erklärung abgegeben, warum die Zahlung einer Lieferung für die US-Regierung über ein privates Unternehmen im Ausland abgewickelt wurde.

Die Auflösung des Mysteriums dieser Bestellung könnte vielleicht durch die seltsamen Unterschiede in den genannten Summen begründet sein. Die Autorin des Artikels zeigt die Kaufvereinbarung zwischen Krusik und Sierra Four Industries mit einem Preis von 7.842.910 Dollar. Der Preis, der für die entsprechende Lieferung im US-Verzeichnis für Aufträge der Bundesregierung genannt wird, beträgt jedoch 12.417.458 Dollar. Das heißt, dass der Service der privaten Firma mit 4,5 Millionen Dollar zu Buche schlägt.

Wie die bekanntgewordenen E-Mails enthüllen, wurden die Mörsergranaten dann doch nicht nach Rumänien geliefert, sondern in ein Waffendepot in Podhum, Kroatien. Die Adresse auf den Aufklebern der Verpackungen, so der Bericht, zeige die Anschrift der Produktionsstätte Grobnik der staatlichen kroatischen Firma für Militärausrüstung „Agency Alan’s Warehouse“ in Podhum, ungefähr 30 Kilometer vom Flughafen Rijeka. Diese Firma Agency Alan, so fand die Journalistin heraus, hat einen eigenen Kontrakt mit dem Pentagon zur Lieferung von Waffen, die nicht zur Standardausrüstung des US-Militärs gehören, in Höhe von 17,6 Millionen Dollar für die Jahre 2017 und 2018.

Die Menge an Dokumenten, welche Gaytandzhieva in ihren Artikeln veröffentlicht, ist erdrückend. Aber es wird noch wesentlich brisanter.

Zwei Luftfrachtunternehmen aus den USA, die Atlas Air und die Kalitta Air — so der Artikel—, waren vom Pentagon gechartert worden, um Waffen vom Flughafen Rijeka zur Luftwaffenbasis Al Udeid in Katar zu fliegen. Die Flugprotokolle von sieben Flügen im Jahr 2018 zeigen, dass allen diesen Flügen ein militärisches Rufzeichen zugeordnet wurde, das für Flüge des US Transportation Command verwendet wird. Den vorangegangenen Flügen nach Rijeka dagegen waren zivile Rufzeichen zugeordnet worden, was bedeutet, dass die Flugzeuge in Rijeka mit militärischer Fracht beladen wurden.

Vermutlich um diese Operationen zu verschleiern, wurden einige Flüge mit der gleichen Flugnummer versehen (CMB514 oder CMB515), obwohl sie mit unterschiedlichen Flugzeugen und in unterschiedlichen Monaten durchgeführt wurden. Dadurch wird eine Nachverfolgung dieser Flüge praktisch unmöglich, da die einschlägigen Datenbanken nur den letzten Flug der entsprechenden Nummer aufzeigen, nicht aber die Historie der vorangegangenen Flüge unter der gleichen Nummer.

Dilyana Gaytandzhieva berichtet, dass Atlas Air und Kalitta Air Hauptauftragnehmer des Pentagons sind, wie aus den Informationen der Website der US-Regierung hervorgeht. Atlas Air erhielt demnach einen unbefristeten Liefervertrag — HTC71118DC005 (2018-2023) — mit einem potenziellen Wert von 227,9 Millionen Dollar für den Transport von gefährlichen, sensiblen Gütern — einschließlich Drogen —, verderblichen Waren, die in einer Kühlkette geliefert werden müssen, übergroßen Waren, Stückgut oder ungewöhnlichen Sendungen.

Und die Kalitta Air erhielt einen Auftrag — HTC71115DR047 (2015-2018) — im Wert von 266 Millionen Dollar, um Material des Verteidigungsministeriums oder der US-Regierung als Diplomaten-Lieferung zu transportieren. Sie erhielt vom Pentagon offenbar Risikozuschläge für die Mitarbeiter, leitete diese aber nicht an die Mitarbeiter weiter, wodurch es zu einem Gerichtsverfahren kam, bei dem die Höhe der Zahlungen bekannt wurde:

„Gerichtsdokumente zeigen, dass eine der Fluggesellschaften mit Flügen zur Al Udeid Air Base — Kalitta Air, im Rahmen von Regierungsverträgen der USA 1 Million Dollar pro Flug erhalten hatte. Im November 2016 reichte ein ehemaliger Mitarbeiter von Kalitta Air eine Beschwerde gegen das Unternehmen ein, weil die Mitarbeiter die Entschädigung (die so genannte Gefahrenabgabe), die das Pentagon an Kalitta für den Einsatz in Kriegsgebieten gezahlt hat, nicht erhalten hätten.

Laut den Gerichtsunterlagen ‚Verträge von Kalitta mit dem U.S. Transportation Command zur Abholung und Lieferung von Fracht an die US-Streitkräfte an verschiedenen Orten, einschließlich der Gebiete, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten als ‚Kampfzonen‘ ausgewiesen wurden‘, erhält Kalitta zusätzlich zu 1 Million Dollar pro Flug zuzüglich Treibstoffkosten, auch 27.000 Dollar pro Flug als ‚Gefahrenabgabe‘, die Kalitta an die Mitarbeiter bei Flügen in gefährliche Kampfzonen zahlen muss“ (4).

Der Artikel berichtet dann weiter über das Team, welches für die US-Regierung das Projektmanagement für die Beschaffung von Waffensystemen, die nicht für die US-Streitkräfte bestimmt waren durchführte. Passkopien und Namen werden genannt. Gruppenbilder mit Auszeichnungen. Alles in Verbindung mit Besuchen bei der Waffenfirma Krusik. Aber der Bericht bemerkt, dass bei Personen, die sich in Bewerbungsdatenbanken veröffentlichten, bestimmte Angaben fehlten. Die Journalistin weist dann darauf hin, dass Mörsergranaten von Krusik oft in den Händen von Al-Qaida in Syrien gefunden wurden. Am 3. März 2019 wurde zum Beispiel ein großer Vorrat dieser Granaten in Al Houla in einem unterirdischen Versteck gefunden.

Gaytandzhieva weist nach, dass das Pentagon in nur zwei Monaten, von November 2017 bis Januar 2018, fast 100.000 Mörsergranaten von Krusik kaufte und im Waffenlager in Grobnik einlagerte. Wohlgemerkt Granaten, die nie von offiziellen US-Streitkräften abgefeuert werden.

Obwohl als Endverbraucher das US-Special Operations Command — USSOCOM— genannt wurde, waren diese Waffen ganz offensichtlich für eine dritte Partei bestimmt, denn die US-Armee verwendet diese Granaten nicht. Wäre es Teil einer „Hilfslieferung“ gewesen, dann wären mit großer Sicherheit Waffen aus US-Produktion geliefert worden, und/oder der offizielle Endverbraucher und der Einsatzzweck wären genannt worden.

Der Artikel enthält viele Angaben zu Lieferungen und unzählige Dokumente, welche die Feststellung untermauern, dass die durch die US-Regierung gekauften Waffen, welche dann bei den Terroristen von Al-Qaida und IS auftauchten, von Anfang an für diesen Zweck bestimmt waren.

Am 21. Dezember 2017 sandte die Jugoimport-SDOPR, also die Exportfirma für Waffenexporte, eine E-Mail an Krusik. Darin werden Tausende von Granaten an unterschiedliche Bestimmungsorte bestellt. Interessant ist, dass hier auch Deutschland auftaucht:

„Der ausländische Partner bemüht sich intensiv um 82 mm Mörsergranaten (1.700 Stück), die für die Transitlizenzen für die Endbestimmung Deutschland erwartet werden. Es wird erwartet, dass diese Lieferung im Januar 2018 durchgeführt wird“(4).

Die Frage ist, wieso Deutschland über eine US-Firma Granaten bestellt. Ich denke, man darf wohl annehmen, dass die Bundesregierung keine Kenntnis von der Lieferung hatte.

In anderen Fällen hatte es die US-Regierung, entgegen den geltenden Regeln, nicht für notwendig befunden, die Endbestimmung und den Zweck des Einsatzes zu nennen.

Der Artikel bezieht sich auf Dokumente, die nachweisen, dass Alliant Techsystems Operations (ATK) 198.906 Mörsergranaten von Krusik gekauft hatte, ebenso wie über 11 Millionen Patronen vom Typ 7,62×54 Millimeter, die von einem anderen serbischen Waffenproduzenten zugekauft worden waren. Bei 20.000 der Mörsergranaten, die von ATK gekauft worden waren — so der investigative Bericht —, wurde kein Endverbraucher angegeben. Im Vertrag wird lediglich festgehalten: „Für Zwecke der US-Regierung“. Und der Artikel beschreibt noch weitere Lieferungen, bei denen man sich ebenfalls nicht mehr die Mühe gemacht hat, den Endbestimmungsort beziehungsweise Endverbraucher anzugeben.

Es ist wirklich erstaunlich, mit wie vielen Fotos und Dokumenten-Scans die Details nachgewiesen werden. Natürlich hatte sich der Lieferant abgesichert und von jeder Lieferung auch die ordnungsgemäße Verpackung fotografiert. Aber es gibt noch weitere Hinweise, dass die Lieferung der Waffen und Munition keinem legalen Zweck diente.

Der Artikel bemerkt:

„Uns bekannt gemachte E-Mails zwischen Jugoimport und Krusik enthüllen, dass eine ganz spezielle US-Firma Aufträge für die US-Regierung ausgeführt hat, die Mil Spec Industries. Dieser US-Lieferant produziert spezielle Chemikalien und Materialien für die US-Armee, wie auf der Seite der Firma bekannt gemacht wird (6).

Im Jahr 2017 schloss die Mil Spec Industries einen Vertrag mit Jugoimport SDPR über den Kauf von 100 Stück der inerten (Anmerkung: nicht mit Sprengsplittern o.ä. beladene Granaten) 60 mm Granaten zum Preis von 8.450 Dollar. Dem Vertrag mit Krusik nach war der Endverbraucher die US-Regierung. Warum sollte die US-Regierung 100 Stück von leeren serbischen Mörsergranaten benötigen, die nicht dem US-Standard entsprechen und daher nicht für das Training der US-Armee genutzt werden können?“ (4).

Aber damit nicht genug. Noch mysteriöser wurde der Fall, als die Journalistin auf weitere E-Mails aufmerksam wurde. Darin wurde Krusik aufgefordert, den Namen des Kunden, Mil Spec Industries, vom Etikett zu entfernen. Natürlich kam Krusik dem Wunsch nach, sodass niemand Fragen stellen wird, warum „leere“ Mörsergranaten, die nicht dem US-Standard entsprechen, aber von der US-Regierung bestellt wurden, zur Mil Spec Industries geliefert wurden, die eine große Anzahl an Chemikalien auf der Internetseite bewirbt (7). Natürlich bietet die Firma noch eine große Anzahl anderer Produkte und Dienstleistungen für das Militär an.

Im letzten und dritten Artikel zum Thema erklärt Dilyana Gaytandzhieva, dass die Kopien von Waffenhändlern offenbaren, wer die Terroristen im Jemen mit Waffen versorgt. Mit dem erneuten Erwähnen von Mörsergranaten von Krusik erklärt der Bericht, dass Mörsergranaten 81Millimeter M72, Charge 01/18 vom saudischen Verteidigungsministerium gekauft worden waren. Der Exporteur war –den Unterlagen zufolge — in diesem Fall die private Firma GIM, die von Branko Stefanovic repräsentiert wird. Dieser ist der Vater des serbischen Innenministers und Vize-Präsidenten.

„GIM unterzeichnete vier Kontrakte mit Saudi-Arabien über die Lieferung von 517.000 Mörsergranaten von Krusik (ein Vertrag in 2016 und drei Verträge in 2018). Der Exporteur in Serbien war GIM und die Importeure in Saudi-Arabien waren zwei private Firmen: Rinad Al Jazira, Saudi Arabia und Larmont Holdings LTD, eine Offshore-Firma, die auf den British Virgin Inseln registriert ist. Als Endverbraucher wurde das saudische Verteidigungsministerium angegeben“ (8).

Auf dem Endverbraucher-Zertifikat — Declaration By End-User To the Government of the Republic of Serbia — werden auch 50.000 Handgranaten, 60 81-Millimeter Mörser und 15 23-Millimeter-Maschinenkanonen erwähnt.

Der Artikel beschreibt dann Einzelheiten der Vertragsschließung, die nicht nur durch Pass-Scans, sondern durch zahlreiche Dokumente belegt werden. Und wieder steht der Verdacht für massive Vorteilnahme im Raum. Dem Artikel zufolge kaufte GIM die Waffen von Krusik zu einem wesentlich niedrigeren Preis. Also wieder eine gigantische „Vermittlungsprovision“ für einen der Beteiligten.

Und auch hier wieder wurden die Waffen sozusagen als „Diplomatengepäck“ von der Silk Way Airlines transportiert, alternativ über den Seeweg vom Hafen Burgas in Bulgarien nach Dschidda in Saudi-Arabien. Alles wieder belegt mit vielen Fotos und Dokumenten.

Dilyana Gaytandzhieva weist dann darauf hin, dass das saudische Verteidigungsministerium private Waffenhändler aus den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die alle von US-Amerikanern kontrolliert werden, beauftragte, die serbischen Waffen zu kaufen und zu transportieren. Solche „Privaten“, so die Journalistin, würden oft von Geheimdiensten für verdeckte Operationen mit illegalen Aktivitäten im Ausland benutzt. Den ihr vorliegenden und in dem Artikel zum Teil veröffentlichten Dokumenten zufolge wurden diese privaten Waffenhändler beauftragt, 20.000 Grad-Raketen in den Jahren 2017, 2018 und 2019 in Serbien zu kaufen. In keinem der Kontrakte wurde der „Endbestimmungsort“ angegeben. Die saudische Armee benutzt keine Grad-Raketen.

„Im Jahr 2016 unterzeichnete die serbische Firma Krupnik einen Kontrakt über 68,72 Millionen Dollar mit dem Waffenproduzenten Krusik für die Lieferung von 20.000 Grad Raketen vom Typ 122 mm zur Lieferung nach Saudi-Arabien. Krupnik und Krusik unterzeichneten drei weitere Verträge über die Lieferung von 120 mm M87P2, ILL Mörsergranaten, 7.600 82 mm M74P1 (Weißer Phosphor) Mörsergranaten und 85.000 82 mm M74 H HE Mörsergranaten für Saudi-Arabien.“

Der Artikel listet noch weitere Waffengeschäfte auf und stellt dann fest, dass die genaue Rolle der privaten Waffenhändler in den Dokumenten nicht genannt wird. Jedoch lässt sich aufgrund der Pass-Scans, welche aufzeigen, dass die Personen aus den USA, Bulgarien und Rumänien stammten, vermuten, dass es sich um eine internationale Operation handelte.

Der Bericht listet dann die Besucher auf, deren Passkopien veröffentlicht werden. Außerdem wird aufgezeigt, welche Verbindungen zu den USA bestehen und wie im Waffengeschäft Personal von einer Position zur anderen wechselt. Der Bericht schließt mit der Feststellung, dass Saudi-Arabien über 1,2 Millionen Stück Munition beschaffte, die offensichtlich für Terroristen bestimmt waren.

An dieser Stelle sei an die enge Zusammenarbeit zwischen dem IS und Vertretern der Marionettenregierung des Jemens erinnert.

„Schon länger in Kreisen von angeblichen ‚Verschwörungstheoretikern‘ bekannt, wurde nun der Bericht eines Qualitätsmediums daraus. Die Associated Press (AP) meldet, dass US-Verbündete mit Al-Qaida einen Handel eingehen. Sie werben Kämpfer für den Krieg gegen den Jemen ab und zahlen dafür, dass Al-Qaida ihnen aus dem Weg geht oder Aufträge für sie ausführt.

‚Eine Militärkoalition, angeführt von Saudi-Arabien und unterstützt durch die Vereinigten Staaten, hat geheime Abmachungen mit Al-Qaida-Kämpfern getroffen, bezahlte einige, damit sie Schlüsselstädte und Zentren verließen, die die Militanten überall in Jemen übernommen hatten, ließ andere mit ihren Waffen, Ausrüstung und Bündeln von gestohlenem Geld abziehen, wie eine Nachforschung von Associated Press ergab. Hunderte andere Kämpfer wurden für die Koalition angeworben‘“ (9, 10).

Waffen und Munition, die nachweislich von den USA und Saudi-Arabien gekauft und bezahlt wurden und dann bei den Terroristen von Al-Qaida und IS in Syrien und dem Jemen auftauchen, gegen die ja angeblich auch die Bundeswehr kämpft, sollte uns zu einem Hinterfragen der politischen Entscheidungen in Deutschland bringen.

Und wenn Sie wieder einmal hören, dass die Waffengesetze in der EU und in Deutschland verschärft werden sollen, damit keine Waffen in die Hände von Terroristen geraten, denken Sie an diese Machenschaften und fragen Sie sich, wie diese Gesetze, welche die normalen Bürger betreffen, mit der oben beschriebenen Art der Verbreitung von Waffen und Munition durch die westlichen Regierungen und ihre Verbündeten zusammenpassen.

Außerdem sollten Sie vielleicht überlegen, wie es kommt, dass zwar über Unfälle von Sportbooten in den Nachrichten berichtet wird, nicht aber über so brisante Enthüllungen, wie hier dargestellt. Und warum diese Informationen wohl auch nicht in den Qualitätsmedien diskutiert werden. Und wenn Sie schon einmal dabei sind, sich zu überlegen, was diese Informationen bedeuten könnten, dann fragen Sie sich auch, warum Deutschland eine Verdopplung des Rüstungsetats benötigt, welches unsere Ausgaben für Bomben, Panzer und Co. auf ein Niveau katapultiert, welches das von der Atommacht Russland, dem größten Land der Welt, übersteigt.


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.rubikon.news/artikel/woher-kommen-die-waffen
(2) http://armswatch.com/islamic-state-weapons-in-yemen-traced-back-to-us-government-serbia-files-part-1/
(3) https://www.sonicjet.aero/single-post/2017/10/24/Afghanistan-Air-Operation-Airports-and-Restrictions
(4) http://armswatch.com/us-task-force-smoking-gun-smuggles-weapons-to-syria-serbia-files-part-2/
(5) https://en.wikipedia.org/wiki/Allegations_of_CIA_drug_trafficking
(6) https://www.mil-spec-industries.com/
(7) https://www.mil-spec-industries.com/category/chemicals
(8) http://armswatch.com/leaked-arms-dealers-passports-reveal-who-supplies-terrorists-in-yemen-serbia-files-part-3/
(9) Michael, Maggie; Wilson, Trish und Keath, Lee (2018) Yemen: US allies strike deals with al-Qaida in war on rebels, 6. August, online: https://apnews.com/8863660ca8684d5ca51ff58edd95b6de
(10) https://www.rubikon.news/artikel/der-verschwiegene-krieg